
Ob im Home Office oder Büro - gesunde Ernährung kommt bei der Arbeit oft zu kurz. Deswegen haben wir mit der Ökotrophologin Julia Elert von EDDA Berlin gesprochen. Sie verrät uns, wie man sich während der Arbeit am besten ernähren sollte, um fit und leistungsfähig zu bleiben. Außerdem gibt sie Tipps für gesunde Snacks und nennt die häufigsten Ernährungsfehler am Arbeitsplatz!
Inhaltsverzeichnis
Das wichtigste in Kürze
- Plane feste Essenszeiten und achte auf regelmäßige, nährstoffreiche Mahlzeiten für mentale und körperliche Leistungsfähigkeit.
- Gesunde Zwischenmahlzeiten wie Nüsse, Joghurt oder Rohkost helfen bei Energieschwankungen und unbewusstes Snacken vermeiden.
- Meal Prep spart Zeit, Geld – und verbessert die Ernährung. Selbst vorbereitete Mahlzeiten bieten Kontrolle über Inhaltsstoffe, sind alltagstauglich und helfen, Fast-Food-Fallen zu vermeiden.
Worauf sollte man bei der Ernährung bei der Arbeit generell achten?
"Grundsätzlich ist es wichtig, eine gewisse Regelmäßigkeit einzuhalten, da unser Körper über die Nahrung mit Energie versorgt wird. Gerade im beruflichen Alltag ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, die dadurch erlangt wird, besonders entscheidend. Zu empfehlen ist daher ein ausgewogenes Frühstück, welches gern auch noch bis 10 Uhr eingenommen werden kann (für die, die am frühen Morgen noch nichts runter bekommen). Je nach körperlicher und geistiger Anstrengung – die vormittags eher hoch ist, da wir genetisch bedingt hier die höchste Leistungsbereitschaft aufzeigen und dadurch i.d.R. viel schaffen – kann ein Vormittags-Snack sinnvoll sein. Gefolgt von einem Mittagessen, was möglichst in Ruhe und ohne Ablenkung eingenommen wird. Ob am Nachmittag nochmal ein Snack notwendig ist, kommt natürlich ganz auf den Alltag der verschiedenen Personen an. Man sollte sich hier die Fragen stellen: Was habe ich heute noch vor? Wann komme ich zu meinem Abendessen? Ist es sinnvoll zu diesem Zeitpunkt nochmal etwas zu essen? Habe ich tatsächlich Hunger?
An zweiter Stelle kommt natürlich die Auswahl der Lebensmittel, die mitunter einen ebenso hohen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben kann. Wer die Möglichkeit nutzt, sich etwas zum Essen von zu Hause mitzunehmen, hat demnach auch die Auswahl der Lebensmittel selbst in der Hand. Wer sich auf das Angebot am Standort des Arbeitsplatzes verlässt, sollte sich gut über die verschiedenen Möglichkeiten informieren. Kantine, Restaurant, Bäcker, Imbiss oder Supermarkt – die Qualität kann sich hier von sehr gut und nährstoffreich zu eher weniger gut, fettig und kalorienreich erstrecken.
Neben dem Essen stellt das tägliche Trinken einen ebenso wichtigen Punkt dar. Als guter Richtwert dient: 35 ml pro kg Körpergewicht (dabei werden ca. 300-500 ml über die Nahrung aufgenommen). Als gute Durstlöscher eignen sich Wasser (mit und ohne Kohlensäure) – gern auch mit Zitrone, frischem Obst oder Kräutern versetzt, ungesüßte Tees oder Fruchtsaftschorlen (mind. 1:3 Mischung). Kopfschmerzen, Durstgefühl/trockener Mund, Konzentrationsschwierigkeiten oder Müdigkeit sind erste Anzeichen von Flüssigkeitsmangel im Körper. Im optimalen Fall wird so regelmäßig getrunken, dass dieser Zustand gar nicht erst entsteht."

Wie bleibt man tagsüber fit und wird nicht träge?
"Der Mensch unterliegt den natürlichen Schwankungen des Biorhythmus und merkt dies besonders tagsüber an der variierenden Leistungsfähigkeit. Dabei wird das Maximum der Leistungsbereitschaft i.d.R. am Vormittag und noch einmal am späteren Nachmittag erreicht. Schwierige und anstrengende Aufgaben sollten daher möglichst zu dieser Tageszeit erledigt werden. Mittags und abends hingegen sinkt die Leistungsfähigkeit. Es ist also grundsätzlich schon mal ganz natürlich, um die Mittagszeit müde zu werden. Man kann diesem sogenannten Mittagstief jedoch durch einige Verhaltensweisen entgegenwirken. Dazu zählt: regelmäßige Mahlzeiten einnehmen, die aus kleineren Portionen bestehen, fettarme Lebensmittelauswahl (Fettverdauung dauert ca. 6-8 Stunden), Vermeidung von riesigen Mengen Kohlenhydraten, auf Vitamin- und Mineralstoffzufuhr achten, langsam essen und gut kauen, ausreichend trinken, regelmäßig lüften oder Bewegungspausen einbauen."
Warm essen – täglich ein Muss oder Mythos?
"Grundsätzlich muss man nicht unbedingt einmal am Tag warm essen. Man kann es jedoch tun und man kann auch gern 2x mal am Tag warm essen. Die warme Mittagsmahlzeit ist eher eine kulturelle Angewohnheit, die wir in Deutschland von Kindertagen an gelernt haben und in unseren Köpfen verankert ist. In anderen Kulturen z.B. im asiatischen Raum ist es durchaus "normal" schon am Morgen eine warme Mahlzeit in Form von Suppe zu essen. Dazu gesellen sich auch noch andere Faktoren wie z.B. das Wetter. Gerade in warmen Sommertagen haben wir oft keinen Drang nach warmen Speisen. Dahingegen tendieren wir im Winter, wenn es kalt und ungemütlich ist, eher zu warmen Suppen und Eintöpfen.
Wichtig ist, dass der Körper mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt wird und dies ist durchaus auch mit kalten Speisen zu erreichen. Es gibt selbstverständlich einige Lebensmittel, die nur im gekochten/warmen Zustand genießbar sind bzw. die ihren Geschmack erst durch Erhitzen richtig entfalten können. Auch bietet die warme Zubereitung oft mehr Abwechslung, da man sowohl kochen und dünsten als auch braten oder backen kann."
Was sollte man wissen, wenn man sich Essen vorkochen möchte?
"Meal Prep hat einige Vorteile anzubieten. Zum einen ist es um einiges günstiger, als jeden Tag essen zu gehen. Zum anderen isst man i.d.R. auch gesünder, da man seltener in Fast Food Fallen tappt und immer genau weiß, was man auf dem Teller hat. Wenn man für die ganze Woche Essen vorbreiten möchte, muss man jedoch einiges an Zeit einplanen und benötigt das richtige Equipment z.B. Tupperdosen, Einweggläser oder andere Aufbewahrungsmöglichkeiten, die sich gut verschließen lassen und teilweise auch zum Einfrieren geeignet sind. Als Basics eignen sich z.B. Nudeln, Reis, Linsen, Quinoa oder Couscous, da sie sich lange im Kühlschrank halten und bei der Zubereitung einfach etwas länger brauchen. Diese lassen sich leicht mit Gemüsesorten, frischer Tomatensoße oder etwas Pesto kombinieren. Auch Suppen eignen sich hervorrangend für Meal Prep, da sie in kürzester Zeit aufgetaut werden können und dabei noch genauso gut schmecken. Wer nicht die Möglichkeit hat, sich Speisen am Arbeitsplatz wieder zu erwärmen, greift am besten auf kalte Meal Prep Varianten wie Nudelsalat, Kartoffelsalat, andere Salate oder kalte Suppen zurück."
Die häufigsten Ernährungsfehler im Arbeitsalltag
"Typische Probleme, die vermutlich jeder schon mal in der einen oder anderen Art und Weise erlebt hat, sind: vor lauter Arbeit das Essen vergessen und das dann noch nicht mal zu bemerken, die Mittagspause am Schreibtisch verbringen und dabei weiterarbeiten, schnelle und unenspannte Mittagspause zwischen zwei Terminen (hier wird dann meist sehr hastig gegessen und nicht richtig gekaut), ständiges, unbewusstes Snacken zwischendurch, wenig Abwechslung bei der Lebensmittelauswahl, fettiges und kohlenhydratlastiges Essen, was ein Mittagstief hervorruft, zu wenig trinken oder das falsche trinken."
Gesunde Snacks fürs Büro: Die besten Ideen für zwischendurch
Gerade an besonders anstrengenden Tagen, wenn Termine sich überschneiden oder die Mittagspause zu kurz gerät, kann ein klug gewählter Snack den entscheidenden Unterschied machen. Statt in der Hektik zur Süßigkeitenschublade zu greifen, lohnt es sich, vorbereitet zu sein – mit nährstoffreichen Alternativen, die Energie liefern, satt machen und den Blutzuckerspiegel stabil halten.
Diese Snack-Ideen eignen sich besonders:
1. Für stressige und energiezehrende Arbeitstage
Halte gesunde Snacks bereit, die dich konzentriert und leistungsfähig bleiben lassen:
Nüsse und Trockenfrüchte – liefern gesunde Fette, Eiweiß und schnell verfügbare Energie
Energy Balls oder selbstgemachtes Granola – kompakte Snacks mit komplexen Kohlenhydraten
Haferflocken – beispielsweise als Overnight-Oats oder Topping im Joghurt
2. Wenn die Pause zu kurz oder ein Meeting zu lang wird
Ideal sind Snacks, die schnell verfügbar, unkompliziert und gut haltbar sind:
Knäckebrot oder Vollkorn-Cracker – sättigend und lange lagerfähig
Naturjoghurt, Quark, Kefir oder Buttermilch – eiweißreich und magenfreundlich
Obst und Rohkost – z. B. Apfel, Gurke, Karotte oder Paprika
Hummus mit Gemüse-Sticks – sättigend durch gesunde Fette und pflanzliches Eiweiß
3. Emotionales Essen erkennen und bewusst genießen
In stressigen Momenten ist der Griff zu Schokolade oder Keksen nur allzu verständlich – aber selten langfristig hilfreich.
Süßigkeiten liefern schnell Energie, führen aber häufig zu einem erneuten Hungergefühl und können in größeren Mengen zu einer ungewollten Gewichtszunahme beitragen.
Das bedeutet nicht, dass Süßes tabu ist: Ein Schokoriegel oder ein Stück Kuchen am Nachmittag ist vollkommen in Ordnung – solange der Genuss bewusst und nicht aus Überforderung geschieht.

Julia Elert und Sophie Möbius von EDDA Berlin unterstützen die Einführung von gesunder und bewusster Ernährung am Arbeitsplatz. Dabei betreuen sie Unternehmen und bieten ein umfassendes Konzept im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Auch für die aktuelle Zeit zuhause bieten sie passende Lösungen an, wie beispielsweise digitale Kochkurse für Teams im Homeoffice. Als Ökotrophologin ist Julia Elert die perfekte Ansprechpartnerin für ernährungsbezogene Fragen und hilft Mitarbeitern dabei, eine ausgewogene Work-Food-Balance zu finden.